Michael Tsokos: Mit kaltem Kalkül
Es ist der zweite Band um die engagierte Rechtsmedizinerin Dr. Sabine Yao, der in sich aber weitgehend abgeschlossen und auch ohne den ersten Teil verständlich ist.
Der ehemalige jordanische Geheimagent Hassan Khalaff, der in Berlin lebt, wird von einer weit entfernten Bekannten um Hilfe gebeten. Ihr Sohn ist verschwunden, aber sie scheut den Weg zur Polizei, denn sie leben illegal in Berlin. Dr. Sabine Yao wird etwa zeitgleich zu einem Toten in einer Bauwagensiedlung gerufen, dessen Trailer mit Kinderspielzeug, verschiedensten Perücken und Fläschchen ihr Rätsel aufgibt.
Als auch noch die Kinderleiche des seit vier Jahren vermissten Oleg gefunden wird, der aber überhaupt nicht gealtert zu sein scheint, beginnt Sabine Yao zu erkennen, dass fernab der sichtbaren Berliner Strukturen eine urbane Schattengesellschaft existiert. Gemeinsam mit der italienischstämmigen Ermittlerin Monica, Leiterin der vierten Mordkommission des Berliner LKA, nehmen sie den Wettlauf gegen die Zeit auf, denn jede Stunde kann den Tod des vermissten Yassar bedeuten.
Was das Buch besonders macht, ist die Authentizität und Fachkenntnis, die Michael Tsokos als Rechtsmediziner einfließen lässt. Man möchte fast meinen, er formuliere mit Worten so scharf wie mit seinem Skalpell. Wie schon im 1. Band breitet er die forensischen Details präzise und überzeugend selbst für Laien aus. Kein Wunder, der Autor ist einer der bekanntesten deutschen Rechtsmediziner. Trotzdem hat er die an der Rechtsmedizin anhängenden kriminalistischen Fachgebiete nachrecherchiert, und bedankt sich im Nachwort namentlich bei seinen Helfern.
Die einzige Schwachstelle im Roman ist vielleicht, dass die nebenher angeschnittenen Fälle ein wenig zu kurz kommen, nach Abschluss der Ermittlungen um die Kindesentführung wieder erzählerisch aufgegriffen und schnell einem Ende zugeführt werden.
Michael Tsokos Buch „Mit kaltem Kalkül“ (ISBN: 978-3-426-52872-3) ist bei Knaur erschienen und kostet 16,99 Euro.