Ich nehme an einem Schreibwettbewerb teil – ist mir noch zu helfen?

Wie Sie es sich vielleicht schon gedacht haben, muss ich mit einem entschiedenen JEIN antworten.

Zunächst zum JA. Natürlich gibt es für jeden Text und Wettbewerbsbeitrag Details, die unstrittig bleiben werden (und die übrigens auch für alle anderen Wettbewerbe und Manuskripteinsendungen gelten). Dazu gehören:

  • Grafik Hand FuenfBeachten Sie bitte in etwa den vorgegebenen Umfang (bei uns: max. 5 Manuskriptseiten.)
  • Für seine Manuskripte wählt man in der Regel eine 12-er Schrift mit 1 ½-zeiligem Abstand und einen Rand von etwa 3 cm.
    Zeilenabstand und Schriftgröße beeinflussen tatsächlich die positive Aufnahme eines Textes, auch wenn die meisten Jurys diesem Eindruck natürlich nicht nachgeben.
  • Wenn Sie die Wahl haben, mehrere kurze Texte oder einen langen zu senden, schicken Sie die kurzen. Vielleicht zeigen sie mehrere Seiten von Ihnen.
  • Wer einen Text schreiben kann, kann auch lange Sätze zertrümmern. Versiert ist derjenige, der zwischen mehrere kurze Sätze einen längeren Satz einflicht. Das gilt übrigens auch für die Wortlänge, meist sind kurze Worte poetischer und eindrucksvoller als Zusammensetzungen.
  • Verben machen einen Text lebendig, Hauptwörter kann man treffend wählen, vor Adjektiven sollte man auf der Hut sein und ihre Notwendigkeit prüfen.
  • Handlung und Figuren sind das Salz jeder Geschichte. Machen Sie den Selbsttest. Erinnern Sie sich nicht auch an Charaktere wie Pippi Langstrumpf, Stiller, Effi Briest, den alten oder jungen Werther usw. Mögen Sie nicht Filme mit vielschichtigen Darstellern? Haben Sie nicht auch schon längere, beschreibende Abschnitte ohne Verlust überblättert?
  • Humor und Tiefgründigkeit müssen sich nicht ausschließen. Humor kann die Herzen der Leser erreichen, wenn er nicht oberflächlich bleibt. Witzig sein ohne Tiefgründigkeit wird aber auf die Dauer anstrengend und sollte nur bei kurzen Texten prägend sein.
  • Jede Textgattung hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Klassische Kurzgeschichten zum Beispiel entwickeln ihre Handlung aus dem Charakter der Hauptfigur. Märchen benennen in der Ausgangssituation einen Konflikt und nutzen in der Handlung Symbole und die Entwicklung des Helden, um ihn zu lösen. In der Lyrik wird sogar zwischen Gedanken- und Empfindungslyrik namentlich unterschieden. Gerade unerfahrene Schreiber tun gut daran, die Gattungsmerkmale, der von ihnen gewählten Form bewusst zu beachten. Sehr gut verständliche Anleitungen zu den Grundgattungen findet man übrigens in dem Standardwerk von Otto Schumann: “Grundlagen und Technik der Schreibkunst”.
  • Ein wenig mehr zu allen anderen Grundsatzfragen, die sich auch in unseren vorangegangenen Wettbewerben immer stellten, haben wir versucht in der „Textlupe“ zur Verfügung zu stellen, die Sie über unsere Seiten beziehen können: Hier gehts zur Bestellung

Trotzdem - und damit komme ich zum „Nein, Ihnen ist nicht mehr zu helfen“ – enthält Kunst auch immer ein Moment des Unerwarteten. Sie provoziert, indem sie die gerade genannten Regeln und noch mehr durchbricht. Allerdings kann weder der Autor, noch kaum ein anderer vorher sicher beurteilen, ob so ein Experiment überzeugt. Das entspricht dem Wesen eines Experiments an sich. Es wird durchgeführt, um eine Antwort auf eine Frage zu erhalten. Im günstigsten Fall ermutigt den Künstler die Antwort, seinen radikalen Weg fortzusetzen. Im ungünstigen Fall sollte er Voraussetzungen, Bedingungen und Zutaten seiner Arbeit überprüfen und neu experimentieren.

Grafik WaageVielleicht waren Sie als Kind von der empfindsamen Balance einer Waage fasziniert. Beim Schreiben steht auf der einen Seite immer der Gehalt, Wert oder Inhalt und auf der anderen Seite die Form. Generationen von Künstlern waren bestrebt, diese Seiten einander würdig anzugleichen. Daneben hat es aber auch immer Momente gegeben, die auffielen, weil die Waage aus dem Gleichgewicht geriet. Die Zeit war reif für eine neue Erkenntnis, eine alte Form wurde durch eine neue überholt. Wer meint, das bieten zu können, sollte sich durch die oben genannten Ratschläge nicht vom Experimentieren abhalten lassen und die Jury überraschen oder provozieren.

Hier gibts unsere Wettbewerbs-FAQs

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